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WortGottesFeiern
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Einführung
Weil wir wissen, dass wir Staub sind

Es gibt Situationen im Leben, in denen alles zu zerbröseln scheint, in denen alles zerfällt und zu Staub wird: Tod im Leben. Wenn Zusammenhänge verloren gehen, wenn Beziehungen zerbrechen, wenn das Ganze nicht mehr erkennbar ist, bleibt nur ein trostloser Rest: Staub, Asche, Zeichen der Vergänglichkeit. Asche bleibt nach einer Brandkatastrophe, Asche bleibt nach einer Feuerbestattung. Am Ende bleibt Asche. Trostlosigkeit. Ende.

Die Liturgie aber stellt das Zeichen der Asche an den Anfang. Der Beginn der österlichen Bußzeit ist ganz und gar geprägt von diesem Zeichen. Am Aschermittwoch kommt die Gemeinde zusammen, um sich vor Gott als Sünder zu bekennen und sich mit Asche bezeichnen zu lassen. So beginnen sie »die vierzig Tage der Umkehr und Buße« (Tagesgebet). Die Asche erinnert an die Vergänglichkeit. Die an Gott gerichtete Segensbitte spricht es aus: »Segne diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen, weil wir wissen, dass wir Staub sind und zum Staub zurückkehren.« Der Mensch vor Gott, der um seine Kleinheit, seine Zerbrechlichkeit und seine Vergänglichkeit weiß, kann dennoch Gott begegnen. Gott macht den Menschen nicht klein. Er lässt mit sich reden. Abraham verhandelte mit Gott über die Rettung der Stadt Sodom, obgleich er um die Kühnheit dieses Unternehmens wusste: »Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.« (Gen 18,27)

Asche, so schreibt das Lexikon Wikipedia, ist »ein fester Rückstand aus der Verbrennung organischen Materials, also von Lebewesen wie Pflanzen oder Tieren oder von fossilen Brennstoffen«. Asche ist also Produkt eines Verbrennungsvorgangs. In der Vorstellung vieler archaischer Religionen enthält die Asche die reinigende und läuternde Kraft des Feuers. Alle, die sich mit Asche bezeichnen lassen, bitten darum, »die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen, damit wir das heilige Osterfest mit geläutertem Herzen feiern« (Segensgebet).

Am Aschermittwoch wird den Gläubigen als Zeichen der Buße und Reinigung ein Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet oder Asche auf den Kopf gestreut mit einem der folgenden Begleitworte: »Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.« (Mk 1,15) Oder: »Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.« (vgl. Gen 3,19). Dieser schlichte Ritus des Austeilens der Asche wird auch in unserer Zeit als eine Zumutung, ein starkes Stück, empfunden. Er passt so gar nicht in die Selbstdarstellung eines Menschen von heute. Die Kirche der Frühzeit kannte für Christen, die schwere Sünden begangen hatten, die öffentliche Buße. Zu Beginn der Fastenzeit legten sie ein Bußgewand an, bekamen Asche aufs Haupt gestreut und taten Buße bis zum Gründonnerstag, an dem sie wieder in die sakramentale Gemeinschaft der Kirche eingegliedert wurden. Nachdem die öffentliche Buße im 10. Jahrhundert außer Gebrauch kam, übertrug sich die Bezeichnung mit Asche auf alle Gläubigen, die diesen Ritus teilweise schon früher in Solidarität mit den Büßern auch an sich vollziehen ließen. Auch heute steht am Beginn der Vorbereitung auf das Osterfest das Zeichen der Asche als Ausdruck der Bekehrung, der Hinwendung zu einem Gott, der sich dem Menschen schon längst zugewandt hat. Im Eröffnungsvers heißt es: »Du erbarmst dich aller, o Herr, und hast Nachsicht mit den Sünden der Menschen, damit sie sich bekehren.«

Die Asche, die aus den gesegneten Palmzweigen des Vorjahres bereitet wird, setzt einen neuen Anfang. Vertrocknete Zweige, verstummter Jubel, vergessene Freude … verbrannt zu Asche, Staub. Mit Weihwasser, dem Wasser des Lebens, besprengt wird die Asche zum Zeichen des Neuanfangs. Weil Gott aus »Erde vom Ackerboden« den Menschen formte (vgl. Gen 2,7), »weil wir wissen, dass wir Staub sind«, können wir umkehren zur Gemeinschaft mit Gott, zum Leben in Fülle und Ganzheit.


Andreas Poschmann

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