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| Einführung |
| Lichtdank |
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Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Das ist eine ganz reale Erfahrung – trotz aller Möglichkeiten, den Tag durch künstliche Lichtquellen zu verlängern. Wir spüren, wie existenziell das Licht der Sonne ist. Der graue November liegt vor uns. Viele Menschen sehnen sich nach Licht und Sonne. Dann – in der Adventsund Weihnachtszeit – werden Straßen und Häuser mit Lichterketten geschmückt und auch die Kerzen am Adventskranz entzündet, bis schließlich auch die Weihnachtsbäume im Lichterglanz erstrahlen. Vor wenigen Wochen – im August – konnte man in Südeuropa eine totale Sonnenfinsternis erleben. Und auch in unseren Breiten war die Verfinsterung der Sonne zu beobachten. Menschen kamen zusammen, um dieses Phänomen gemeinsam zu erleben: Alle sind gleich unter der Sonne – eine echte Erfahrung und nicht nur eine Information darüber, dass dieses Ereignis an einem bestimmten Tag eintritt.
Licht ist Leben. Diese Erfahrung prägt auch das liturgische Jahr und die Praxis der Feste und Feiern. Bei unseren Gottesdiensten entzünden wir Lichter. Schon bei der Taufe wird den Neugetauften als ausdeutendes Zeichen für das neue Leben in Christus die Taufkerze überreicht. Auch in den Wort-Gottes-Feiern kann die Lichtsymbolik aufgegriffen werden. Das Werkbuch Wort-Gottes-Feier (WGF) weist ausdrücklich auf den Lichtdank als eine mögliche Zeichenhandlung hin: Denn »in jeder liturgischen Feier drängt die Begegnung der Gemeinde mit Gott nach äußeren Zeichen« (WGF, S. 30, Nr. 42). Zeichenhandlungen lassen sichtbar werden, dass es sich bei der Liturgie – wie Romano Guardini schreibt – »nicht um Gedanken, sondern um Wirklichkeit« handelt.
Wenn in früheren Zeiten „bei Anbruch der Dämmerung allabendlich die Öllampen entzündet und herbeigebracht wurden, wurde dies in der antiken Kultur nicht nur als ein nützlicher Vorgang, sondern als ein bedeutungsvoller Akt betrachtet, der sowohl zu Hause als auch bei der Liturgie des Tempels und der Gemeinde mit religiösen Zeremonien verbunden war. Mit Akklamationen wurde das Licht begrüßt, das in der Finsternis der anbrechenden Nacht erstrahlte. Der weitverbreitete Brauch, das Licht so zu begrüßen, lebte auch im frühen Christentum weiter. Mit einem ›Lichtdank‹ (Luzernar) wurde z. B. das häusliche Mahl, eine gemeinsame Agape oder eine liturgische Feier an den Märtyrergräbern, zu denen man meist abends zusammenkam, eröffnet. […] Im ›Lichtdank‹ besingen auch wir das von Gott geschaffene Licht und danken Gott für Jesus Christus, das göttliche ›Licht, das jeden Menschen erleuchtet‹ (Joh 1,9). [Luzernar–Lichtdank, Trier 2026, 5]
In einer Wort-Gottes-Feier stellt die Lichtdanksagung den Eröffnungsteil des Gottesdienstes dar (vgl. WGF, S. 190–195): Auf den Einzug mit der Prozessionskerze folgt der Liturgische Gruß. Vom Licht der Prozessionskerze werden die Kerzen im Kirchenraum und die der Mitfeiernden entzündet. Der Lichthymnus wird gesungen. Anschließend tritt die/der Leiter/in an den Ambo und singt oder spricht die Lichtdanksagung; die Gemeinde antwortet mit »Amen«. Für diesen Lichtdank finden sich im Werkbuch verschiedene Vorlagen (Am Abend, Am Morgen, In der Adventszeit, An Weihnachten, Am Fest der Erscheinung des Herrn). Diese und weitere Texte – auch mit Noten – bietet die ergänzende Handreichung »Luzernar– Lichtdank« (6268).
Gerade in den Gottesdiensten der dunklen Jahreszeit kann der Lichtdank ein starkes Zeichen der Zuversicht sein. Wenn wir Gott für das Licht danken, dann danken wir ihm letztlich für das Leben. Wir danken Gott, dass er die Welt geschaffen hat, wir danken, dass wir sind. Und uns kann bewusst werden, dass nichts selbstverständlich ist: »Wir können nicht aufhören, deine Güte zu preisen, die stärker ist als alles Dunkel, und dein Erbarmen zu loben, das uns Leben in Fülle schenkt, von Tag zu Tag und in Ewigkeit.« (WGF, S. 193)
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Andreas Poschmann |
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