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WortGottesFeiern
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Einführung
Willkommenskultur
Der Begriff »Willkommenskultur« ist in Verruf geraten. Er hatte im Sommer 2015 Hochkonjunktur, als die ersten vollbesetzten Züge mit Flüchtlingen ankamen und eine große Welle der Hilfsbereitschaft durch Deutschland ging. Mittlerweile ist Ernüchterung eingekehrt, die Flüchtlingsfrage stellt sich als große, komplexe Herausforderung dar. Der Begriff »Willkommenskultur« steht bei nicht wenigen Kritikern für ein fragloses, naives Öffnen der Grenzen und Tore, für einen unkontrollierten Zustrom weiterer Flüchtlinge.

Keine Frage: Es muss noch viel von der Politik geregelt und grundsätzlich entschieden werden. Es wird auch entscheidend sein, ob Integration gelingen kann. Zum Glück gibt es weiterhin Tausende von Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern in Rathäusern, Landratsämtern und Flüchtlingsunterkünften, und Tausende von Ehrenamtlichen in Kommunen, Vereinen und Kirchengemeinden, die unterstützen und Projekte anbieten.

Können wir in dem von uns verantworteten Bereich der Liturgie einen Beitrag dazu leisten? Wir als Kirchengemeinden und Sie als Leiterin oder Leiter von Wortgottesfeiern? Tatsächlich halte ich den Begriff einer »Willkommenskultur« für sehr hilfreich in Bezug auf die Gottesdienste unserer Kirchengemeinden. Und zwar nicht nur auf Migranten und Flüchtlinge bezogen, sondern auch auf Menschen hin, die nicht (mehr) vertraut sind mit unserem Feiern und mit den Abläufen, Antworten und Bräuchen in unseren Gottesdiensten.

Dabei geht es nicht in erster Linie darum, zu Beginn des Gottesdienstes die Mitfeiernden willkommen zu heißen. Diese Art der Begrüßung ist unter den Liturgiewissenschaftlern ohnehin umstritten bis verpönt. Denn letztlich ist nicht derjenige, der den Gottesdienst leitet, der Einladende, sondern Gott selbst bzw. Jesus Christus.

Was gibt es für Möglichkeiten, eine Atmosphäre zu schaffen, die Menschen, die fremd sind (oder sich fremd fühlen), in den Gottesdienst zu integrieren?

Einige Gedanken und Fragen dazu:

Die Haltung des Leiters, der Leiterin des Gottesdienstes prägt die Atmosphäre. Ist er/sie am Anfang des Gottesdienstes beschäftigt mit den eigenen Materialien oder singt er/sie mit? Werden die ersten Worte »abgelesen« und kleben die Augen am Text oder schaut er/sie zuerst in die Gemeinde hinein und nimmt die Mitfeiernden wahr?

Die Einführung in den Gottesdienst hat die Aufgabe, die Anwesenden für die Feier »aufzuschließen«. Es ist anspruchsvoll, auf der einen Seite das Leben oder Gefühle von Menschen anzusprechen, ohne zu vereinnahmen oder auszuschließen; und auf der anderen Seite auf die Botschaft des Gottesdiensten hinzuweisen, ohne die biblischen Texte oder die Predigt vorweg zu nehmen. Die Formulierung der Einführung braucht Sensibilität und Sorgfalt.

Es gibt Kirchen, oder auch einzelne Gottesdienste, in denen ein hoher Anteil an »Fremden« erwartet werden kann, ob Touristen, Flüchtlinge, Mitbürger aus anderen Ländern oder Menschen, die mit dem Gottesdienst nicht vertraut sind. Gibt es für diese eine Möglichkeit, sich zu orientieren – z. B. mit einem Faltblatt, das den Verlauf des Gottesdienstes darstellt? In England und auch in Frankreich habe ich bei Reisen die positive Erfahrung gemacht, dass ich an der Kirchentüre begrüßt wurde, ein Gesangbuch überreicht bekam oder auch ein Blatt mit den Texten.

Schon im Vorfeld stellt sich die Frage: Kann man denn als Ortsfremder einen Gottesdienst oder eine Kirche überhaupt finden? Immer wieder mache ich auf Reisen die Erfahrung, dass das alles andere als leicht ist. Im Internet sind viele Kirchengemeinden nicht zu finden oder zumindest keine aktuellen Gottesdienstordnungen. Und wenn ich Gottesdienstzeiten finde, im Internet oder in einem Schaukasten, in dem zu einem Gottesdienst in einer anderen Kirche der Seelsorgeeinheit oder des Pfarrverbundes eingeladen wird, ist zwar oft eine Kirche angegeben, aber keine Adresse dazu zu finden.

Es braucht die Sensibilität aller am Gottesdienst Beteiligter oder Verantwortlicher für die Bedürfnisse von denen, die nicht zur Kerngemeinde gehören. Es braucht die Offenheit, auf diese Menschen zuzugehen, sie zu begrüßen und das Gespräch mit ihnen zu suchen. Das ist Aufgabe der ganzen Kirchengemeinde.

Auf der homepage des liturgischen Instituts (www.liturgie.de) sind liturgische Hilfen für Migranten und Flüchtlinge zusammengefasst, z. B. Festevangelien in verschiedenen Sprachen oder ein Faltblatt zum Ablauf der Eucharistie. Zum Ablauf der Wortgottesfeier kann ich nur auf das Gotteslob Nr. 669–671 verweisen.

Beate Jammer

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