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WortGottesFeiern
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Einführung
Fünfzig Tage Ostern feiern
Geht das eigentlich? Kann man fünfzig Tage hintereinander feiern und in Halleluja-Stimmung sein? Sieben Wochen lang? Geht es überhaupt darum? Die Grundordnung des Kirchenjahres beschreibt: »Die Zeit der fünfzig Tage vom Sonntag der Auferstehung bis Pfingstsonntag wird als ein einziger Festtag gefeiert, als »der große Tag des Herrn« (Athanasius).

Damit werden als besonders bedeutsam Anfangs- und Endpunkt dieser Zeit herausgestellt. Es geht nicht darum, von einem Tag auf den anderen zu leben, sondern durch das Fest das Dasein als sinnvoll zu erfahren. »Feste zu feiern ist menschlich ... Weder Sterne, Meere, Steine, Feuersbrünste noch Pflanzen noch Tiere feiern Feste. Zwar gibt es auch Festmuffel, wie ich einer bin«, schreibt der Philosoph Odo Marquard. »Aber selbst diese feierschwachen Menschen können ... gar nicht umhin, die stets nötigen und unentwegt wiederkehrenden menschlichen Feste mitzufeiern.« (Odo Marquard, Moratorium des Alltags, in: ders., Skepsis und Zustimmung, Stuttgart 1994, 59–69, 59.) Abläufe und Strukturen sind hilfreich. Sie ordnen das Leben. Wir können etwas erwarten, uns freuen auf etwas Besonderes: auf den Geburtstag, den Urlaub ... Denn der Mensch lebt nicht nur sein Leben, sondern er deutet es und verhält sich dazu. Die Osterzeit des Kirchenjahres macht deutlich, dass sich das Selbstverständnis der Christen nicht in Alltäglichkeiten erschöpft und um sich selbst dreht, sondern Ostern, die Überwindung des Todes, die Botschaft von der Auferstehung der Dreh- und Angelpunkt des Lebens ist.

Als Christen feiern wir aber nicht Termine und ein schönes System von Alltag und Fest, von Arbeit und Freizeit. Wir feiern, wie es der Bischof von Alexandria, Athanasius der Große, im 4. Jahrhundert formuliert hat, »den großen Tag des Herrn«. Wir feiern Jesus Christus, »das Fest seiner Auferstehung« und bitten am Ostersonntag: »Schaffe uns neu durch deinen Geist, damit auch wir auferstehen und im Licht des Lebens wandeln«. Man könnte sagen, wir bitten darum, ein »Athanasius« zu werden, dessen Name übersetzt »der Unsterbliche« heißt. Oder sollte man nicht besser sagen, dass dies schon für die Gegenwart gilt. Durch die Taufe bin ich schon ein »Athanasius«. Deshalb beten wir am sechsten Sonntag der Osterzeit, dass wir die Auferstehung Jesu preisen, »damit das Ostergeheimnis, das wir in diesen fünfzig Tagen feiern, unser ganzes Leben prägt und verwandelt«.

Wenn die Kirche fünfzig Tage Ostern feiert, dann ist dies Ausdruck einer Grundhaltung, ein Lobpreis der Auferstehung und die Bitte um den Heiligen Geist, der der Kirche am Pfingstfest geschenkt ist – nicht allein für sich, sondern für alle: Gott hat »das österliche Geheimnis im Geschehen des Pfingsttages vollendet und Menschen aus allen Völkern das Heil geoffenbart«. Wie wir Ostern feiern und wie die Auferstehungsbotschaft das Leben prägt, das wird von Mensch zu Mensch und in unterschiedlichen Situationen ganz verschieden aussehen können und seine Berechtigung haben. Odo Marquard regt an, »die menschlichen Feste so weitherzig zu pflegen, daß bei ihnen (wie es antike Philosophen empfehlen) alle drei menschlichen Lebensformen, die die antike Ethik unterscheidet – das genießende Leben, das praktische Leben, das beschauliche Leben – auf ihre Kosten kommen können. Die genießenden Menschen amüsieren sich beim Fest; die praktischen Menschen machen – beim Fest umgebenden Rummel – ihre Geschäfte; die frommen und beschaulichen Menschen aber begehen das Fest, wie es – die anderen Formen des Feierns mit ermöglichend – zentral gemeint ist: beschaulich, bittend und dankend, betend.« (Marquard, 68 f.)

Andreas Poschmann

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