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Leseprobe 2
Gründonnerstag – Andacht am Abend
Stark wie der Tod?
Lesejahr A

Die österliche Dreitagefeier gründet in einer dramatischen und schmerzlichen menschlichen Erfahrung: dem unwiderruflichen Verlust eines geliebten Menschen. Mitten im Leben wird Jesus aus Nazaret gewaltsam beseitigt: festgenommen, gefoltert und hingerichtet. Vielleicht hat Jesus selbst diesen Verlust und die damit verbundene Gefahr geahnt und deshalb beim letzten Mahl seine Freunde gebeten: »Vergesst mich nicht! Denkt an mich!«

Ostern feiert daher nicht einen vom Leid des Menschen unberührten kosmischen Kreislauf von Werden und Vergehen und Neuwerden, sondern den Lebensweg eines Menschen – und in ihm den Lebensweg von uns allen. Der Abend des Gründonnerstags ist gewissermaßen »getränkt« von dieser menschlichen Erfahrung. Und doch beginnt dieser Abend – und damit die Liturgie der gesamten drei Tage – bereits mit dem österlich-staunenden Ruf: »Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. Durch ihn sind wir erlöst und befreit!«

Das vorliegende Modell ist zeitlich nach der Abendmahlsmesse angesiedelt

Der Altar ist vollständig abgeräumt, der Tabernakel leer und geöffnet. Kein Ewiges Licht; keine Kerzen.

1 Einzug
Alle am Gottesdienst beteiligten Dienste gehen formlos und schweigend, ohne Verneigung vor dem Altar oder Kniebeuge, einige Zeit vor Beginn der Feier an ihre Plätze. Die Plätze sind nicht im Altarraum, sondern in oder vor der ersten Reihe. Die Dienste setzen sich schweigend und warten, bis die Zeit gekommen ist, mit der Liturgie zu beginnen.

2 Gesang zur Eröffnung
Die Orgel schweigt. Alle Lieder und Rufe werden a capella gesungen.
Die Gemeinde steht.
GLa 183/GLn 460 »Wer leben will wie Gott« oder
EH 69/Unterwegs 131 »Ubi Caritas«
mehrfach gesungen
Kreuzzeichen und liturgischer Gruß entfallen

3 Einführung
Wir haben uns in unserer Kirche vor dem abgeräumten Altar (falls zutreffend: und vor dem leeren Tabernakel) versammelt, um uns zu erinnern: Jesus geht seinen letzten Gang.

4 Hinführung zur ersten Evangelium-Lesung: Mt 26,1–16
Schon vor dem letzten Abendmahl beginnt der Weg Jesu in den Tod. Seine Verhaftung wird sorgfältig geplant. Doch mitten im Herrschaftsbereich des Todes setzt eine namenlose Frau ein großes Zeichen der Liebe.

5 Erste Evangelium-Lesung
Der/die Lektor/in trägt die Lesung vom Ambo aus vor. Die Gemeinde sitzt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Nach der Lesung: Stille

6 Antwortgesang
EH 20 (mit geändertem Text) »Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche die Liebe.« Kantor/in/Gemeinde
Der Duft deiner Öle – wie gut!
Ausgegossenes Öl – dein Name!
Da der König um mich war, duftete meine Narde. (Hld 1,3.12)
Stille
EH 20 »Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche die Liebe.« als Kanon
Stille

7 Besinnung
Wie von einem anderen Stern: So muss diese namenlose reiche Frau in der Männerrunde gewirkt haben. Aus der Nacht kommt sie – in die Nacht geht sie. Dazwischen schweigt sie. Kein einziges Wort. Nur Duft: betörend, überschwänglich, sündteuer. Das ist eine Königssalbung! Jesus wird jetzt leibhaftig zum Christos, zum Gesalbten … Diese Duft-Fülle verschwindet nicht so leicht. Sie muss Jesus begleitet haben bis ans Kreuz, bis in den Tod und ins Grab … Wo Duft ist, da sind Gott und seine Engel, weiß die jüdische Theologie zur Zeit Jesu. – Und die Jünger?
Kapieren nichts.
Stille

8 Hinführung zur zweiten Evangelium-Lesung: Mt 26,30–35
Zwei Tage später feiert Jesus das Paschamahl: eine letzte Insel des Lichts in einem Meer von Finsternis. Das Mahl endet mit einem großen Hoffnungswort und dem Lobgesang. Doch dann geht Jesus endgültig hinaus: in die Finsternis.

9 Zweite Evangelium-Lesung

Der/die Lektor/in trägt die Lesung vom Ambo aus vor. Die Gemeinde sitzt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Nach der Lesung: Stille

10 Antwortgesang

EH 20 »Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche die Liebe.« Kantor/in/Gemeinde
Auf meinem Bett in den Nächten
sucht ich, den mein Atem liebt,
ich suchte ihn und fand ihn nicht.
Ich will doch aufstehn
und herumgehn in der Stadt,
will ihn suchen,
den mein Atem liebt.
Ich suchte ihn und fand ihn nicht. (Hld 3,2)
Stille
EH 20 »Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche die Liebe.« als Kanon
Stille

11 Besinnung
Verrückt vor Liebe. Hatte Jesus einen Menschen, der ihn wirklich liebte? Einen, der in dieser gefährlichen Stunde das Verrückte tut: der ihm nachgeht, ihn sucht, ihn aufspürt? Ihn nicht allein lässt? Kein Großmaul wie Petrus … Jesus selbst scheint die Lage nüchtern einzuschätzen: Nein, er hat niemanden. Alle hauen ab. Nur der Duft der namenlosen Frau bleibt ihm.
Stille

12 Dritte Evangelium-Lesung: Mt 26,36–42

Der/Die Lektor/in trägt die Lesung vom Ambo aus vor. Die Gemeinde sitzt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Nach der Lesung: Stille

13 Antwortgesang

GLa 358/3 bzw. GLn 181/2 »Herr, erbarme dich« oder
GLn 157/EH 5/Unterwegs 159 »Herr, erbarme dich« Kantor/in/ Gemeinde
O Herr, höre mein Beten,
mein Schreien möge zu dir kommen!
Ich gleiche einer Dohle in der Wüste,
ich wurde wie eine Eule in öden Ruinen.
Ich wache und bin verlassen
wie auf dem Dach ein einsamer Vogel. (Ps 102,2.7.8)
Stille
GLa 358/3 bzw. GLn 181/2 »Herr, erbarme dich« oder
GLn 157/EH 5/Unterwegs 159 »Herr, erbarme dich« dreimal
Stille

14 Besinnung
Der Schriftsteller Samuel Beckett schreibt: »Jede Nacht wird mein Leben von einem Schrei verwüstet. Ich gehe ins Dunkel hinaus, aber niemand ist da. – Wie leben die meisten Leute? Sie sind hungrig, und keiner gibt ihnen zu essen. Und dann rufen sie nach Hilfe, und keiner kommt.«
Stille

15 Vierte Evangelium-Lesung: Mt 26,43–46
Der/Die Lektor/in trägt die Lesung vom Ambo aus vor. Die Gemeinde sitzt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Nach der Lesung: Stille

16 Antwortgesang
GLa 358/3 bzw. GLn 181/2 »Herr, erbarme dich« oder
GLn 157/EH 5/Unterwegs 159 »Herr, erbarme dich« Kantor/in/Gemeinde
O Herr, höre mein Beten!
Verbirg nicht dein Antlitz vor mir am Tag meiner Not!
Ich esse Asche statt Brot
und mische meinen Trank mit Tränen.
Neige dein Ohr mir zu am Tag, da ich rufe,
eile und hilf mir! (Ps 102,2a.3a.10.3b)
Stille
GLa 358/3 bzw. GLn 181/2 »Herr, erbarme dich« oder
GLn 157/EH 5/Unterwegs 159 »Herr, erbarme dich« dreimal
Stille

17 Besinnung
Die Philosophin und Widerstandskämpferin Simone Weil schreibt: »Das Mitleid mit den Unglücklichen ist unmöglich. Wenn es sich tatsächlich ereignet, ist es ein Wunder, staunenswerter als die Auferweckung eines Toten. Das Unglück hat Christus gezwungen, um Schonung zu flehen, bei den Menschen Trost zu suchen, sich von seinem Vater verlassen zu glauben …«
Längere Stille

18 Liedruf
EH 20 »Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche die Liebe.«
Stark wie der Tod ist die Liebe,
unerbittlich wie die Unterwelt
das Begehren,
ihre Brände Feuerbrände,
die unbändig lodern.
Ganze Berge Wasser
können nicht löschen
die Liebe
und Fluten
sie nicht wegschwemmen. (Hld 8,6b.7a)
EH 20 »Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche die Liebe.« mehrmals gesungen

19 Stilles Gebet
Die namenlose reiche Frau hat noch im Todesschatten eine Duftgemeinschaft mit Jesus gestiftet. Und wir?
Stille
Wir alle sind getauft auf Jesu Tod und gesalbt worden wie er – Jesus hat uns eine Duftgemeinschaft mit ihm geschenkt.
Beten wir miteinander und füreinander um Liebe, um Leidenschaft, Treue und Mut.
Die Gemeinde kniet.
Angemessene Zeit des stillen Gebets.

20 Vaterunser
Alle stehen.
Miteinander beten wir darum, nicht in eine Zerreißprobe, in Versuchung geführt zu werden – so wie Jesus damals, so wie am heutigen Abend viele Menschen in unserer Welt. Miteinander beten wir das Gebet Jesu.
Gemeinde: Vater unser im Himmel …

21 Entlassung
So gehen wir hinaus in diese Nacht und bitten Gott um seinen Segen für uns, für die Welt – besonders aber für all die Menschen, die heute Nacht leiden oder sterben wie damals unser Bruder Jesus.

Stille

Danach keine Verneigung vor dem Altar und keine Kniebeuge.

22 Auszug
Formloser, schweigender Auszug aller am Gottesdienst beteiligten Dienste.
Gestaltungselement siehe 23

23 Gestaltungselement
Beim Verlassen der Kirche bekommen alle Gläubigen ein ca. 3 x 3 cm kleines, quadratisches Stück Pappe, auf dem einige Tropfen stark duftendes reines Parfüm oder Duftöl aufgebracht wurden (ähnlich den Riechproben in Parfümerien). Reine Düfte kann man auch im Internet bestellen.

Max-Josef Schuster

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